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Landwirtschaft
Die Kartoffel stammt ursprünglich aus Peru. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde sie nach Europa gebracht: über Spanien kam eine rotschalige, über England eine gelbschalige Sorte. Alle eingeführten Sorten waren bereits keine „Urkartoffeln“ mehr, sondern Sorten, die bereits von den Inka kultiviert worden waren. Doch der Siegeszug der Kartoffel in Europa dauerte noch lange. Zunächst hauptsächlich als Zierpflanze angebaut, fand man sie später zunächst als Heilpflanze in Kräutergärten. Als Speisekartoffel ernährte sie zuerst nur den Adel, bis sie etwa hundert Jahre nach ihrer Einführung im Norden Deutschlands erstmals eine weitreichende Bedeutung als Grundnahrungsmittel erreichte.
In Süddeutschland erkannte man ihren Wert als Nahrungsmittel gar erst weitere hundert Jahre später. Zu dieser Zeit versuchte man auch in Preußen, die Kartoffel durch kostenloses Verteilen des Saatgutes als Grundnahrungsmittel zu verbreiten. Doch „was der Bauer nicht kennt,...“ Deshalb bedarf es der Legende nach erst einer List des Alten Fritz (Friedrich des Großen), um der Verbreitung der Kartoffel auf die Beine zu helfen: Er ließ auf einem Feld Kartoffeln anbauen und diese von Soldaten bewachen, denen er aber den Befehl gab, stehlende Bauern geflissentlich zu übersehen. Er hatte Erfolg: Der Reiz des Verbotenen war so groß, dass die Kartoffel bald darauf auch in Preußen heimisch wurde.
Der Kartoffelanbau ist sehr aufwändig. Vor der Aussaat müssen die passenden Sorten für Klima und Boden ausgewählt werden. Nachdem die Kartoffeln ihre ersten Triebe gebildet haben, müssen sie „angehäufelt“ werden, damit die Knollen nicht dem Tageslicht ausgesetzt sind. Denn liegen die Knollen im Freien, verfärben sie sich auf Grund der Lichteinstrahlung grünlich. In ergrünten Kartoffeln aber ist der Solaningehalt (Gehalt toxischer Pflanzenstoffe) höher als in nicht ergrünten Kartoffeln, weshalb die Grünverfärbung auf jeden Fall vermieden werden soll. Während der Wachstumsphase muss der Bauer ständig Unkraut jäten, da es den Knollen ansonsten wertvolle Nährstoffe aus dem Boden rauben würde. Pilzkrankheiten wie die Krautfäule machen dem Bauern ebenso zu schaffen wie der Schädlingsbefall, vor allem der des Kartoffelkäfers und seiner Larven. Diese ernähren sich von den Blättern der Pflanze und hemmen somit auch das Wachstum der Knollen unter der Erde. Wer wie wir nicht ständig mit der chemischen Keule um sich schlagen möchte, der kann die Schädlinge oft nur von Hand ablesen – und verbringt somit Stunden damit, die Käfer und Larven einzusammeln.
Nach der Ernte werden die Kartoffeln erst einmal einige Tage abgedeckt auf dem Anhänger belassen, damit sie richtig auskühlen können und nach dem Einlagern nicht mehr schwitzen. Dann werden sie sorgfältig verlesen, sodass nur einwandfreie Kartoffeln in den Keller kommen. Und auch dort müssen sie immer wieder durchgesehen werden, sodass Fäulnisherde sofort entdeckt und beseitigt werden können, bevor weitere Kartoffeln angesteckt werden.
Man unterscheidet bei der Speisekartoffel drei Kochtypen: Die festkochenden springen beim Kochen nicht auf. Auch nach dem Kochen haben sie noch eine feste feuchte Konsistenz und eignen sich so hervorragend zur Herstellung von Kartoffelsalat. Deshalb sprechen wir bei den festkochenden Sorten auch von Salatkartoffeln. Bei der mehligkochenen Kartoffel dagegen platzt die Haut beim Kochen, sie sind in ihrer Konsistenz eher locker und grobkörnig und eignen sich deshalb hervorragend für Karoffelbrei. Wir nennen sie deshalb (im Gegensatz zu den Salatkartoffeln) auch Speisekartoffeln. Die vorwiegend festkochenden Speisekartoffeln sind Grenzgänger: Beim Kochen platzt ihre Haut nur wenig auf und ihre Konsistenz liegt genau in der Mitte zwischen fest- und mehligkochenden Kartoffeln.
Kartoffeln sollten dunkel, trocken und kühl (etwa 10°C) gelagert werden. Luftdurchlässige Behältnisse wie Weidenkörbe oder so genannte Kartoffelkisten aus Holz eignen sich gut zum Verstauen der Kartoffeln. Werfen Sie die Kartoffeln nicht und lassen Sie sie nicht fallen, da sie sonst (ähnlich wie bei Äpfeln) Druckstellen bekommen, die ihre Lagerfähigkeit einschränken. Niemals sollten Sie Kartoffeln und Obst in demselben Keller lagern, da vor allem Äpfel besonders viel von dem Reifegas Äthylen abgeben, das sich sehr negativ auf die Haltbarkeit der Kartoffeln auswirkt. Rohe Kartoffeln sollten Sie auf keinen Fall einfrieren!
Absolute Dunkelheit ist bei der Lagerung unverzichtbar, da sich sonst grüne Flecken bilden und dadurch der Solaningehalt in den Kartoffeln erhöht. Vor allem das Neonlicht der Supermärkte, aber auch die zu hohe Temperaturen und die damit verbundene Keimstimulierung fördert die Bildung der Giftstoffe. Deshalb finden Sie bei uns auch höchstens kleine Mengen an Kartoffeln in unserem Hofladen. Wir holen die schmackhaften Knollen erst dann frisch aus unserem Kartoffelkeller, wenn Sie sie bei uns kaufen. Am besten, Sie sagen uns vorher Bescheid (Telefon 0 71 83 / 9 31 69-04, Fax 9 31 69-05, demnächst auch per E-Mail), dann können wir die gewünschte Menge bereits verkaufsfertig für Sie im Keller vorrichten.
Gerne reservieren wir eine größere Menge Kartoffeln für Sie in unserem Kartoffelkeller, sodass Sie diese „ratenweise“ bei uns abholen können. Reservierungen nehmen wir von September bis Ende Oktober entgegen, jedoch nur solange unser Vorrat reicht. Wir wählen die reservierten Kartoffeln sorgfältig aus und richten sie wunschweise in 5 kg, 12,5 kg oder 25 kg-Säcke. Die Kartoffeln werden beim Abfüllen gewogen. Lagergebühren verlangen wir keine, jedoch gleichen wir den Gewichtsverlust, der während der Lagerzeit durch Verdunstung eintritt, nicht aus. Bezahlt wird bei Abholung, alle vorbestellten Kartoffelraten müssen abgenommen werden, ein Anspruch auf Austausch von in der Lagerzeit eventuell faulig gewordenen Kartoffeln besteht nicht, doch erfahrungsgemäß kommt das auch sehr selten vor. Hier gelangen Sie demnächst zum Formular für die Reservierung.